Frauen-Bundesliga: Playoff-Veto droht Liga zu spalten

Ein klares „Nein“ der beiden mächtigsten Vereine bringt die Reformpläne der Frauen-Bundesliga gehörig ins Wanken. Bayern München und der VfL Wolfsburg lehnen die Einführung von Playoffs geschlossen ab und stellen sich damit gegen die Liga-Spitze. Kurz vor dem gemeinsamen Auftritt im Supercup droht der Streit den Wettbewerb nachhaltig zu belasten.

Das Emblem des Deutschen Fußball-Bundes ziert vor dem Anpfiff den Mittelkreis des Kölner RheinEnergieStadions. Dort trafen die deutschen Frauen am 5. Juni 2026 in der Qualifikation zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2027 auf Norwegen. Pau Barrena / Getty Images
Das Emblem des Deutschen Fußball-Bundes ziert vor dem Anpfiff den Mittelkreis des Kölner RheinEnergieStadions. Dort trafen die deutschen Frauen am 5. Juni 2026 in der Qualifikation zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2027 auf Norwegen. Pau Barrena / Getty Images

Die Ablehnung der beiden Branchenführer kommt deutlich und unmissverständlich. Sowohl der FC Bayern als auch der VfL Wolfsburg positionieren sich gegen die von der Liga-Führung angedachten K.-o.-Spiele am Saisonende. Damit stellen sich ausgerechnet die beiden erfolgreichsten Klubs der vergangenen Jahre gegen die Reformbestrebungen der eigenen Liga, was am Freitag vor dem Supercup-Duell am Samstag (19.30 Uhr/DF1 und MagentaTV) in Ingolstadt zusätzliche Brisanz erzeugt.

Bayern-Direktorin Bianca Rech äußerte sich gegenüber der „Sport Bild“ unverblümt kritisch. „Playoffs bedeuten eine Abwertung der Liga und der zuvor absolvierten Saison. Der Versuch, die Attraktivität der Liga allein durch K.-o.-Spiele am Saisonende zu steigern, greift aus unserer Sicht zu kurz“, erklärte die 45-Jährige. Auch Wolfsburgs Geschäftsführer Dieter Hecking sieht in dem Modell keinen sinnvollen Weg, mahnt aber gleichzeitig zu neuen Ideen bei der Vermarktung. „Um die Erlöse aus der Vermarktung der TV-Rechte signifikant zu steigern, müssen wir auch über kreative, innovative Ansätze nachdenken“, so Hecking. „Die Einführung von Playoffs ist aus unserer Sicht aber eher ein kontraproduktiver Eingriff in den Wettbewerb. Die Liga-Phase verliert sportlich an Wert, und es ist möglich, dass nicht die beste Mannschaft der Saison Meister wird. Das kann nicht im Sinne des Sports sein.“

Abstimmung mit Zündstoff bei Vereinsversammlung

Wie sich die Liga und die übrigen Klubs letztlich positionieren, bleibt offen. Fest steht: Bei der Versammlung der Vereine am 30. November könnte es zu einer echten Kampfabstimmung kommen. Bayerns Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen berichtete zuletzt, dass es unter den 14 Bundesligisten durchaus Befürworter der Playoff-Idee gebe. Erst vor rund zwei Wochen waren entsprechende Überlegungen innerhalb der Frauen-Bundesliga bekannt geworden: Ab der Saison 2027/28 könnten demnach ein Halbfinale der vier besten Teams sowie ein abschließendes Endspiel den Meister ermitteln. Das Modell ist zudem Bestandteil der laufenden Verhandlungen mit potenziellen Medienpartnern.

Hintergrund der angedachten Strukturreform ist der Wunsch, die jahrelange Dominanz von Bayern und Wolfsburg aufzubrechen. Beide Teams sicherten sich in den vergangenen zehn Jahren jeweils fünf Meistertitel. Die Liga-Führung erhofft sich von Playoffs sowie einer Abstiegsrelegation attraktivere Angebote bei der nächsten Vergabe der Medienrechte.

Sinkende Erlöse und schwindendes Interesse als Alarmsignal

Die aktuellen TV-Verträge mit ARD, ZDF, MagentaTV, DAZN, Sport1 und Sky spülen den Klubs derzeit jährlich 5,2 Millionen Euro in die Kassen. Anders als bisher werden die kommenden Rechtepakete allerdings nur noch für zwei statt für vier Spielzeiten vergeben, was zusätzliche Unsicherheit schafft. Schon jetzt kursiert die Sorge, dass sich bisherige Medienpartner zurückziehen könnten und die Einnahmen dadurch sogar sinken. Die Liga kämpft insgesamt um ihre Sichtbarkeit und Relevanz: Zahlreiche Stars sind mittlerweile ins Ausland gewechselt, und für den anstehenden Supercup wurden bislang nicht einmal 10.000 Tickets abgesetzt.

Sorge um Belastung der Topspielerinnen

Trotz der wirtschaftlichen Zwänge warnen Rech und Hecking übereinstimmend vor einer zusätzlichen körperlichen Beanspruchung der Akteurinnen. „Die Playoffs würden in eine Phase der Saison fallen, in der insbesondere die Top-Spielerinnen bereits physisch extrem gefordert sind“, betonte Hecking. Rech verwies zudem darauf, dass die Schonung der Spielerinnen auch andere internationale Topligen letztlich von einem Playoff-System habe abrücken lassen. Darüber hinaus hob die Bayern-Direktorin die Verdienste der Spitzenklubs für den deutschen Frauenfußball hervor. „Es sind die deutschen Topklubs, die durch gute Ergebnisse in den europäischen Wettbewerben dafür sorgen, dass wir möglichst viele Startplätze in der Champions League erhalten“, so Rech. „Sollen ausgerechnet jene Klubs und Spielerinnen, die den deutschen Frauenfußball in der K.-o.-Phase der Champions League international vertreten, zusätzliche Spiele zugemutet werden?“