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Thomas Tuchel hat Englands Einzug ins Halbfinale zwar geschafft, mit dem Auftritt gegen Norwegen war der Nationalcoach aber keineswegs einverstanden. Jude Bellingham, der mit zwei Treffern zum Matchwinner wurde, konterte die deutliche Kritik seines Trainers umgehend. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie viel spielerische Kontrolle unter diesen Umständen überhaupt möglich war.

Tuchel moniert Fehler und fehlende Klarheit
Das Viertelfinale gegen Norwegen gewann England nach 120 Minuten mit 2:1, doch besonders in der zweiten Halbzeit der regulären Spielzeit blieb der Favorit weit hinter den Erwartungen zurück. Das Team um Harry Kane und Jude Bellingham tat sich erneut schwer und brachte seine Rolle als Topfavorit kaum zur Geltung.
Tuchel sprach nach der Partie im FIFA-Interview ungewöhnlich offen über die Schwächen seines Teams. Er kritisierte, England sei zu unpräzise gewesen, habe zu viele technische Fehler gemacht, sei nicht schnell genug aufgetreten und habe die Abläufe nicht konsequent genug umgesetzt. Zudem erklärte er, die Mannschaft habe an diesem Abend das nötige Glück gebraucht. Mit dem Gezeigten sei er „überhaupt nicht zufrieden“.
Bellingham hält dagegen
Für Tuchels schonungslose Einschätzung gab es in England zwar auch Anerkennung. Alan Shearer etwa lobte bei der BBC, dass der deutsche Coach nicht dem üblichen Reflex gefolgt sei, eine schwache Leistung schönzureden. Doch innerhalb der Mannschaft sorgten die Worte des Trainers nicht nur für Zustimmung.
Vor allem Bellingham reagierte auf die öffentliche Kritik seines Coaches mit einer deutlichen Gegenrede. Der Real-Profi, der mit seinem Doppelpack zuvor Norwegens Traumtor beantwortet hatte, sagte: „Vielleicht weiß er nicht, wie es ist, unter diesen Bedingungen gegen Erling Haaland, Martin Ödegaard, Antonio Nusa und Alexander Sörloth zu spielen.“
Man kann nicht jedes Spiel gewinnen, indem man den Ball herumspielt und 1.000 Pässe spielt.
Jude Bellingham
Mentalität statt nur Kombinationen
Tuchel selbst betonte gleichzeitig, wie zufrieden er mit der Einstellung seiner Spieler war. Diese Haltung beschrieb er als „reine Mentalität, die kann man in Flaschen abfüllen und verkaufen.“
Bellingham ließ das nicht als Rechtfertigung für den Auftritt durchgehen. Der Mittelfeldstar stellte klar: „Man kann nicht jedes Spiel gewinnen, indem man den Ball herumspielt und 1000 Pässe spielt – manchmal muss man auch mit harten Mitteln gewinnen, und genau das haben wir heute getan.“
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Im Halbfinale erwartet Tuchel von seiner Mannschaft dennoch wieder mehr fußballerische Qualität. Gegen Argentinien am Mittwoch um 21 Uhr dürfte eine reine Mentalitätsleistung kaum reichen.