Inhaltsverzeichnis - das findest du hier
- 1 Roque Santa Cruz sieht Deutschland als Favorit
- 2 Mit 44 noch Profi, jetzt WM-Experte
- 3 Santa Cruz setzt auf Physis und Hitze
- 4 Erinnerung an das Duell von 2002
- 5 Emotionen in Paraguay, Kritik an der Gruppenphase
- 6 Coach Alfaro verteidigt sein Team und blickt auf alte WM-Erinnerungen
- 7 Santa Cruz: „Je körperlicher, desto besser“
Paraguay geht mit viel Kritik im Gepäck ins WM-Sechzehntelfinale gegen Deutschland, träumt aber plötzlich vom großen Coup. Roque Santa Cruz sieht dafür vor allem einen Weg: Die Partie soll körperlich werden, dann steigen die Chancen der Albirroja. Der frühere Bayern-Stürmer gibt auch einen klaren Hinweis auf das Wetter und hofft auf hohe Temperaturen. Aber Roque Santa Cruz traut Paraguay bei der Fußball-WM 2026 gegen Deutschland durchaus eine Überraschung zu. Der frühere Bayern-Stürmer, heute 44 Jahre alt und weiterhin Erstliga-Profi in seiner Heimat, sieht im Sechzehntelfinale in Foxborough am Montag, den 29. Juni, um 22.30 Uhr MESZ eine echte Chance für die Südamerikaner. Wer das Sechzehntelfinale live verfolgen möchte, findet hier alle Infos zur TV-Übertragung und zum Livestream von Deutschland gegen Paraguay.

Roque Santa Cruz sieht Deutschland als Favorit
Der langjährige Nationalangreifer will die Partie der viermaligen Weltmeister keinesfalls verpassen. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte Santa Cruz, dass er umso bessere Karten für Paraguay sehe, je rustikaler und intensiver das Duell werde. Die Favoritenrolle liege zwar „klar“ bei Deutschland, doch genau dort erkenne er Ansatzpunkte für sein Team.
Mit 44 noch Profi, jetzt WM-Experte
19 Jahre nach seinem Abschied vom FC Bayern ist Roque Santa Cruz immer noch aktiv. Der 44-Jährige stürmt in seiner Heimat für Nacional Asunción und beteuert, dass sich seine Knie ausgezeichnet anfühlen. Für das Duell mit Deutschland nimmt er sich allerdings aus der Rolle des Spielers heraus und spricht als TV-Experte für Telemundo in den USA.

Santa Cruz setzt auf Physis und Hitze
Nach Einschätzung des Ex-Bundesligaprofis müsse Paraguay die Begegnung körperlich hart führen und Deutschland dazu bringen, „viel zu arbeiten“. Außerdem hoffe er auf hohe Temperaturen in Foxborough, weil das den Paraguyern entgegenkommen würde. Ideal wäre aus seiner Sicht ein „intensives Hin und Her“, denn die deutsche Auswahl sei am verwundbarsten, wenn sie umschalten müsse.
Santa Cruz verwies darauf, dass Deutschland in der Vergangenheit vor allem nach schnellen Kontern mit Tempo und Präzision Probleme bekommen habe. Bleibe es lange 0:0, wachse zudem der Druck auf Bundestrainer Julian Nagelsmann und sein Team. Dann richte sich die komplette Erwartungshaltung auf die deutsche Mannschaft, während Paraguay deutlich weniger zu verlieren habe.
Erinnerung an das Duell von 2002
Als Vorbild nennt Santa Cruz das WM-Duell von 2002, als Paraguay im Achtelfinale erst kurz vor Schluss mit 0:1 verlor. Dieses Spiel gebe in seinem Heimatland bis heute vielen Menschen Hoffnung, sagte er. Auch die direkten Vergleiche mit Deutschland seien in Paraguay in guter Erinnerung, weil sie fast immer eng verlaufen seien. Dazu zählte Santa Cruz auch das Freundschaftsspiel von 2013, das 3:3 endete.

Gleichzeitig räumt Santa Cruz ein, dass Paraguay bei dieser WM bislang noch nicht das Niveau aus der Südamerika-Qualifikation erreicht habe. Gerade jetzt sei aber der richtige Moment, weil Deutschland dem Gegner alles abverlange. Kritik äußerte Santa Cruz zudem daran, dass vielen Fans in Paraguay das Offensivspiel ihrer Mannschaft „zu vorsichtig“ erscheine.
Emotionen in Paraguay, Kritik an der Gruppenphase
Diese Marschroute passt auch zur Stimmung im Land. Kapitän Gustavo Gomez stimmte seine Mannschaft vor dem K.o.-Spiel mit deutlichen Worten ein. Auf Instagram schrieb er, das Team kämpfe „mit ganzer Seele, um den Namen unseres Landes ganz nach oben zu bringen“. Außerdem betonte er: „Wir sind zurückgekehrt, um uns zu beweisen, und wir werden kämpfen bis zum Schluss.“ Für Paraguayer gelte, dass „nichts unmöglich“ sei.
Auch in der Heimat ist die Spannung vor dem Achtelfinale spürbar gestiegen. Die Asunción Times schrieb: „Der Traum geht weiter. Jetzt beginnt das Turnier so richtig.“ Der eher zähe Auftritt in der Gruppenphase und die Kritik an Gustavo Alfaro werden dort inzwischen beiseitegeschoben. Ecuador habe schließlich gezeigt, dass auch kleinere Nationen Deutschland schlagen können.

Coach Alfaro verteidigt sein Team und blickt auf alte WM-Erinnerungen
Alfaro teilt diese Hoffnung. Nach dem 0:0 gegen Australien hatte er bereits erklärt: „Natürlich wird es schwer, einen der Top-Favoriten auszuschalten. Aber es ist nicht unmöglich.“ Nach der Nullnummer sei die Pressekonferenz laut der Zeitung Ultima Hora „zeitweise angespannt“ gewesen. Schon das 1:4 gegen die USA und das schmeichelhafte 1:0 gegen die Türkei hatten für wenig Begeisterung gesorgt.
Der 63-Jährige sah sich deshalb zu einer klaren Verteidigung seiner Mannschaft gezwungen. „Wisst ihr, wie schwer es war, sich für die WM zu qualifizieren? Wir stehen auf Platz 42 der Weltrangliste!“, sagte er. Seine Spieler seien international kaum bekannt. „Warum können sich unsere Spieler nicht durchsetzen? Ich spreche nicht einmal von Europa. Wir können uns auch in Brasilien oder Argentinien nicht durchsetzen.“

Tatsächlich sind derzeit nur der am Montag um 22.30 Uhr MESZ in Foxborough gesperrte Diego Gómez von Brighton, der angeschlagene Innenverteidiger Omar Alderete von Sunderland sowie die Angreifer Antonio Sanabria von Cremonese und Julio Enciso von Straßburg in Europa aktiv. Bei der WM 2010 war Paraguay noch anders aufgestellt. Damals erreichte das Team mit Santa Cruz und dem BVB-Duo Lucas Barrios und Nelson Valdez das Viertelfinale und unterlag Spanien erst unglücklich mit 0:1.
Danach verpassten die Südamerikaner dreimal nacheinander die Qualifikation. Gegen Deutschland wartet nun die nächste große Prüfung. Erinnerungen an frühere Duelle gibt es genug, vor allem an das Achtelfinale 2002 in Südkorea, als Oliver Neuville in der 88. Minute zum 1:0 traf. 2013 trennten sich beide Teams in Kaiserslautern 3:3. Für Alfaro ist die durchwachsene Gruppenphase jedenfalls abgeschlossen. „Jetzt beginnt eine völlig andere WM“, sagte er.
Santa Cruz: „Je körperlicher, desto besser“
Gegenüber der SZ formulierte Santa Cruz seine Taktik unmissverständlich. „Je körperlicher das Spiel wird, desto besser für uns“, sagte er. Zwar sei die Favoritenrolle „klar“ bei Deutschland, doch Paraguay könne die deutschen Schwächen nutzen. „Man muss Deutschland dazu zwingen, viel zu arbeiten. Und ich hoffe auf hohe Temperaturen.“