Inhaltsverzeichnis - das findest du hier
- 1 Die Tartan Army verwandelt Foxborough in eine Partyzone
- 2 McGinns abgefälschter Schuss bringt die Führung
- 3 Schottland zittert, Haiti vergibt die Chancen
- 4 Clarkes härteste Entscheidung zahlt sich aus
- 5 Die britische Presse feiert und zittert zugleich
- 6 An der Spitze der Gruppe C, aber Brasilien wartet
36 Jahre hatte Schottland auf einen Sieg bei einer WM-Endrunde gewartet, in der Nacht zum Sonntag war die Wartezeit vorbei. Getragen von einer euphorischen Tartan Army gewann die Mannschaft von Steve Clarke zum Auftakt der Gruppe C bei der WM 2026 gegen den beherzten Außenseiter Haiti mit 1:0, das einzige Tor erzielte John McGinn in der 28. Minute. Es war ein glücklicher, über weite Strecken erkämpfter Erfolg vor 64.146 Zuschauern im Gillette Stadium bei Boston. Weil sich Brasilien und Marokko zuvor 1:1 getrennt hatten, steht Schottland nach dem ersten Spieltag mit drei Punkten an der Tabellenspitze.

Die Tartan Army verwandelt Foxborough in eine Partyzone
Schon zur schottischen Hymne vibrierte die Arena. Nach Medienangaben hatten rund 30.000 Anhänger Boston schon in den Tagen zuvor in eine einzige Feierzone verwandelt, viele in Schottenröcken und Trikots, begleitet von Dudelsackklängen. Der Schlachtruf „No Scotland, no Party“ schallte vor dem Anpfiff aus zahllosen knallgelben Schulbussen, die die Fans für die Fahrt ins Stadion gemietet hatten. Nach 28 Jahren WM-Abstinenz war die Wiedersehensfreude grenzenlos.
Auf der Gegenseite stand ein Außenseiter mit ganz eigener Geschichte. Haiti kehrte mehr als ein halbes Jahrhundert nach seinem bislang einzigen WM-Auftritt von 1974 auf die große Bühne zurück. Das Team aus dem krisengeplagten Karibikstaat musste dabei wegen einer US-Einreisesperre ohne eigene Fans auskommen. Im Aufgebot steht mit Ersatzkeeper Josué Duverger sogar ein Torhüter des deutschen Oberligisten FC Cosmos Koblenz, an diesem Abend saß er auf der Bank.
McGinns abgefälschter Schuss bringt die Führung
Mit dem Rückenwind der Ränge starteten die Schotten besser, ließen den auf Konter lauernden Gegner dann aber immer wieder gefährlich werden. Scott McTominay hatte die Führung in der 17. Minute auf dem Fuß, sein Schuss aus 15 Metern klatschte an den Pfosten. In der 28. Minute fiel sie dann doch: Ein Schuss von John McGinn wurde von Haitis Jean-Ricner Bellegarde unhaltbar abgefälscht und schlug ein, großes Pech für die Haitianer. Trotz der Führung blieb Schottland defensiv anfällig, über ein Remis zur Pause hätte sich der Favorit nicht beschweren können.
Schottland zittert, Haiti vergibt die Chancen
Die Halbzeitansprache von Steve Clarke schien zu fruchten, nach dem Seitenwechsel wirkte das schottische Team stabiler, und die Begegnung verlor an Tempo. Doch gegen Ende drehte Haiti noch einmal auf. Erst ließ McGinn in der 73. Minute die Vorentscheidung liegen, kurz darauf verpasste Wilson Isidor auf der anderen Seite nur haarscharf den Ausgleich. In der Schlussphase köpfte Frantzdy Pierrot (85.) knapp vorbei.
Statistisch hatte Haiti die Partie nach der Pause im Griff, am Ende standen 54 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüsse zu Buche, Schottland kam nur auf neun. Doch von den vielen Versuchen brachten die Haitianer nur zwei aufs schottische Tor, und keiner landete im Netz. Je länger das Spiel dauerte, desto ruppiger wurde es. Der algerische Schiedsrichter Mustapha Ghorbal zückte mehrfach Gelb, in der Nachspielzeit sahen Findlay Curtis (90.+1) und Kenny McLean (90.+5) für rüdes Einsteigen die Karte. Der knappe Vorsprung hielt trotzdem.
Clarkes härteste Entscheidung zahlt sich aus
Dass McGinn überhaupt auf dem Platz stand, war keine Selbstverständlichkeit. Clarke hatte ihn vor dem Spiel Ryan Christie vorgezogen und das die härteste Entscheidung seiner Trainerlaufbahn genannt. Nach 28 Minuten war sie gerechtfertigt. McGinn machte das Tor des Abends und durfte sich in der 83. Minute auswechseln lassen, da war die Arbeit getan. Christie kam erst spät, in der 75. Minute.
Es war nicht irgendein Treffer. McGinn erzielte das erste schottische WM-Tor seit 28 Jahren, für ein Land, das erst seit 1998 wieder bei einer Endrunde dabei ist.
Die britische Presse feiert und zittert zugleich
Die Einordnung auf der Insel fiel zwiespältig aus. Der Telegraph nannte den Erfolg historisch, aber knapp, einen Sieg „mit wenigen Vorbildern“. Der Independent schrieb, Schottland habe sich trotz des späten Drucks an die Führung „geklammert“. Sky Sports rückte McGinns erstes schottisches WM-Tor seit 28 Jahren in den Vordergrund.
An der Spitze der Gruppe C, aber Brasilien wartet
Mit drei Punkten führt Schottland die Gruppe C an, weil das andere Auftaktspiel zwischen Brasilien und Marokko 1:1 endete. Der letzte schottische WM-Sieg davor liegt im Jahr 1990, ein 2:1 gegen Schweden. Mit dem Auftaktsieg ist Clarkes Mannschaft einen großen Schritt Richtung erstmaligem Einzug in die K.-o.-Runde gegangen. Haiti dagegen steht nach der Niederlage punkt- und torlos am Tabellenende.
Leicht wird es für beide nicht weiter. Am 20. Juni bekommt es Haiti mit Brasilien zu tun, Schottland trifft am selben Tag auf Marokko und darf dann erneut im Stadion der New England Patriots auf seine frenetischen Fans bauen. Den Auftakt aber hat die Tartan Army, anders als 28 Jahre lang zuvor, gefeiert.