Ex-Bundestrainer Berti Vogts sieht die deutsche Nationalmannschaft vor der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada nur bedingt optimal vorbereitet. Vor allem die langen Wege, die klimatischen Bedingungen und die Zeitverschiebungen könnten aus seiner Sicht den Turnierverlauf spürbar beeinflussen. Eine Reise der DFB-Auswahl in die späteren Gastgeberländer hätte ihm zufolge womöglich geholfen.

Probleme durch Kontinente, Klima und Uhrzeiten
In der Rheinischen Post betonte Vogts, wie schwierig es sei, sich auf diese Rahmenbedingungen vorzubereiten. „Die WM ist eine Herausforderung. Die Entfernungen, die Klimabedingungen, die Zeitverschiebungen sind Aspekte, die einen Turnierverlauf beeinflussen können. Es ist extrem schwer, sich auf diese Szenarien vorzubereiten. Vielleicht wäre eine Länderspieltour in die Länder, in denen nun die WM ist, hilfreich gewesen“, sagte der frühere Bundestrainer. Wann eine solche Tour hätte stattfinden sollen, ließ der 79-Jährige offen. Im vergangenen Sommer stand zunächst das Final-Four-Turnier der Nations League auf dem Programm, ab September lief dann bereits die WM-Qualifikation.
Gleichzeitig glaubt der Europameister-Coach von 1996 nicht, dass eine andere Nation besser gerüstet ist. „Ich glaube, keine Nation ist besser auf die WM vorbereitet.“ Der Weltmeister von 1974 macht den sportlichen Erfolg vor allem am Teamgefüge fest. „Fußball spielen kann jeder, der in einer deutschen Nationalmannschaft ist. Aber es muss eine echte Mannschaft sein, einer alleine ist nie Weltmeister geworden“, erklärte Vogts.
Vogts fordert Ruhe und Harmonie bei Nagelsmann
Für Bundestrainer Julian Nagelsmann sei deshalb vor allem entscheidend, dass innerhalb des Kaders Ruhe herrsche. Die Spieler müssten nicht nur sportlich, sondern auch als Gruppe zusammenpassen. „Ruhe in der Mannschaft muss sein. Die Spieler müssen harmonieren, sportlich, aber auch in der Gruppe. Dafür ist der Trainer verantwortlich. Es ist eine große Aufgabe“, sagte Vogts über den aktuellen Chefcoach.
Darüber hinaus stellte sich der 79-Jährige hinter die Kritiker des neuen WM-Formats mit erstmals 48 Teams. Er vermisste zugleich klare Kante von DFB-Präsident Bernd Neuendorf. „Ich weiß nicht, was sich die FIFA dabei denkt. Da geht es doch nur um das Finanzielle. Ich würde vom Präsidenten des DFB erwarten, dass er sich bei der FIFA für den Fußball einsetzt“, sagte Vogts.
Mit Sorge beobachtet er auch bereits angestoßene Debatten über eine weitere Ausweitung künftiger Weltmeisterschaften. „Das ist schlimm. Die Leute, die das tun, lieben den Fußball nicht. Wir müssen aufpassen, dass der Fußball am Ende nicht mehr ernst genommen wird.“