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Die Fußball Nationalmannschaft von Curaçao geht mit viel Selbstvertrauen in ihre erste WM-Endrunde. Der kleinste Teilnehmer der Turniergeschichte will sich bei der Premiere in den USA, Mexiko und Kanada nicht verstecken und nimmt auch das Auftaktspiel am 14. Juni in Houston gegen Deutschland mutig in den Blick.

Advocaat setzt auf den Außenseiter-Moment
Im niederländischen Noordwijk weht dieser Tage ein karibischer Wind. Bei 30 Grad vor dem Nobelhotel Huis ter Duin mit Blick auf die Nordsee sagte Tahith Chong, es fühle sich „an wie zu Hause“. Rund 7900 Kilometer von der Heimat entfernt bereitet sich der ehemalige Bremer mit der „Blue Wave“ auf das XXL-Turnier vor, getragen von Teamgeist, Lebensfreude und großen Zielen.
Dick Advocaat formuliert die Rolle seines Teams gewohnt klar. „Jeder kann überraschen. Warum nicht Curaçao?“, sagt die Trainer-Ikone. Für das Eröffnungsspiel gegen Deutschland hält der 78-Jährige seine Mannschaft „sicherlich nicht chancenlos“. Bei seiner dritten Endrunde nach 1994 und 2006 mit den Niederlanden und Südkorea wird Advocaat zudem zum ältesten Trainer der WM-Geschichte aufsteigen.
Auch seine Spieler haben den Angriffsgeist längst angenommen. „Wir wollen zeigen, dass wir auf diese Bühne gehören“, erklärt Torhüter Eloy Room dem SID. Gegen das DFB-Team werde es „vielleicht ein paar Chancen“ geben, kündigt der Keeper an: „Wir kreieren immer etwas. Und manchmal hilft es, der Underdog zu sein.“
Familie, Geschichte und große Vorfreude
Ohne Niederlage hatte sich Curaçao durch die CONCACAF-Qualifikation gearbeitet. Mit nur 158.000 Einwohnern ist die autonome Nation innerhalb des Königreichs der Niederlande der kleinste WM-Teilnehmer der Historie. Die Insel nordöstlich von Venezuela misst gerade einmal 444 Quadratkilometer.
„Wir sind eine Familie. Unsere Teamkollegen sind wie Brüder“, sagt Chong, der einzige gebürtige Curaçaoer im Kader. In der Heimat sei die Vorfreude riesig. „Jeder wird vor dem TV sitzen, wenn wir Geschichte schreiben.“ Das weiß auch Room, der jedes Jahr Urlaub in der Heimat seines Vaters macht. „Wir wissen, was es den Menschen dort bedeutet, das geht weit über den Fußball hinaus“, sagt der 37-Jährige, der in einer niederländischen Kleinstadt nahe der deutschen Grenze geboren wurde und 2017 als einer der ersten den Verbandswechsel vollzog.
Besonders freut sich Room auf das Duell mit seinem „Vorbild“ Manuel Neuer. „Als ich die Nachricht gesehen habe, dass er zurückkommt, war ich sehr aufgeregt. Jeder hier. Er ist eine Legende“, berichtet er. Schmunzelnd ergänzt er: „Jetzt wird es für uns vielleicht schwieriger zu treffen.“
Offenes Training, Autogramme und die nächsten Tests
Dass die „Blue Wave“ auch offensiv Akzente setzen kann, zeigte sie am Donnerstagnachmittag beim öffentlichen Training in Noordwijk vor knapp 2000 euphorischen Fans. Im Anschluss nahmen sich Chong, Room und die übrigen Nationalspieler noch mehr als eine Stunde Zeit für Autogramme und Selfies. Besonders begehrt war dabei auch Jürgen Locadia.
Der frühere Hoffenheimer und Bochumer Stürmer wäre „überglücklich“, wenn ihm gegen Deutschland „ein Tor zu erzielen oder sogar zu gewinnen“ gelänge, sagt er dem SID. Auch Advocaat bleibt bei seiner Zielsetzung: „Wir wollen in die nächste Runde. Dafür fahren wir da hin. Eine Überraschung ist immer möglich. Und eine Überraschung kann schon reichen, um weiterzukommen.“
Vor dem WM-Start stehen für Curaçao noch zwei Testspiele an. Am Samstag tritt die Auswahl in Schottland an, am 6. Juni folgt die Partie gegen Aruba. Danach bezieht das Team sein Quartier in Boca Raton in Florida, wo ebenfalls karibisches Flair garantiert ist.