Münchner Torquote: Weltmeister-Torhüter Sepp Maier kritisiert die Schwäche der restlichen Liga

Die herausragende Münchner Torquote dieser Saison interpretiert Sepp Maier weniger als Ausweis überragender Offensivqualität denn als Beleg für fehlende Konkurrenz in der Bundesliga. Der 82-jährige Torhüter-Ikone sieht in der derzeitigen Häufung von Treffern ein Alarmsignal für das gesamte Oberhaus. In einem Interview mit dem Münchner Merkur/tz (Dienstag-Ausgabe) kritisierte Maier die Schwäche der restlichen Liga und verwies zugleich auf die historische Perspektive seiner eigenen Ära. Dennoch zeigt sich der ehemalige Welt- und Europameister sportlich: Er würde seinen „Urenkeln an der Säbener Straße“ den Torrekord gönnen.

Michael Olise von FC Bayern München bejubelt sein Tor zum 1:0 gemeinsam mit Harry Kane im Bundesliga-Spiel gegen 1. FC Union Berlin in der Allianz Arena am 21. März 2026. Alexander Hassenstein / Getty Images
Michael Olise von FC Bayern München bejubelt sein Tor zum 1:0 gemeinsam mit Harry Kane im Bundesliga-Spiel gegen 1. FC Union Berlin in der Allianz Arena am 21. März 2026. Alexander Hassenstein / Getty Images

Maier: „Die Liga ist schwach geworden“

Sepp Maier machte seine Kritik an der Bundesliga deutlich: „Wir waren früher viel mehr gefordert. Wenn man sich die ganze Liga anschaut, muss ich sagen: Sie ist schwach geworden“, sagte der frühere Welt- und Europameister in einem Interview mit dem Münchner Merkur/tz (Dienstag-Ausgabe). Damit setzt Maier die außerordentliche Torausbeute des Rekordmeisters in direkten Zusammenhang mit mangelnder Konkurrenz. „Darüber sollten sich die anderen doch mal Gedanken machen“, warnte der 82-Jährige und forderte implizit eine sportliche Einordnung durch die übrigen Klubs.

Gleichzeitig stellte Maier klar, dass die hohen Siege der Bayern nicht allein Ausdruck eigener Stärke sind: „Bei uns hat es das nicht gegeben, dass man so oft so hoch gewonnen hat. Das lag aber nicht an uns, sondern an den besseren Gegnern.“ Mit diesen Worten betont er, dass die Rivalität und Leistungsdichte früher einen anderen Stellenwert hatten.

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Team
B
S
U
N
Tore
GT
TD
Pkt.
1
27
22
4
1
97
25
72
70
2
27
18
7
2
58
28
30
61
3
VfB Stuttgart
U S U S S
>
27
16
5
6
56
36
20
53
4
RB Leipzig
U S S N S
>
27
15
5
7
53
35
18
50
5
27
15
5
7
54
39
15
50

Historischer Torrekord: 101 Treffer von 1972

Maier erinnerte an den Torrekord der Münchner: Er erlebte den nach 54 Jahren immer noch gültigen Torrekord der Bayern von 101 Treffern beim Titelgewinn 1972 als Münchner Schlussmann. Die Marke aus dem Jahr 1972 bleibt für Maier ein Maßstab, an dem er die heutige Entwicklung misst. Aus Maiers Sicht wirft die Möglichkeit, dass die aktuellen Bayern rechnerisch auf 122 Tore kommen könnten, Fragen an die Liga auf.

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Die nähere Einordnung dieser Zahlen sieht Maier als Warnsignal: Die angesichts der momentanen Bayern-Torquote mögliche Verbesserung der über ein halbes Jahrhundert alten Höchstmarke auf rechnerisch 122 Tore stellt Maier als Alarmsignal für das ganze Oberhaus dar: „Darüber sollten sich die anderen doch mal Gedanken machen.“

Maier zu Rekorden: Ehrgeiz und Begeisterung

Trotz seiner Kritik an der Konkurrenz zeigt sich Maier sportlich und traditionsbewusst in Sachen Rekorde. Er betonte: „Für mich ist das nicht schlimm. Rekorde sind doch da, um sie zu brechen. Daraus zieht man seinen Ehrgeiz. Man braucht ja Ziele, an denen man sich messen kann“, meinte das Idol. Mit diesen Worten relativiert Maier seine Kritik und würdigt gleichzeitig die Motivation hinter Rekordjagd.

Konkreter wurde Maier bei der Frage, wie er zu weiteren Bayern-Toren steht: „Ich feiere jedes Bayern-Tor. Da habe ich kein Problem mit. Ich bin auch glücklich, wenn die Bayern 125 Tore schießen.“ Damit unterstreicht der ehemalige Nationalkeeper seine emotionale Verbundenheit mit dem Klub, trotz der sportpolitischen Kritik an der Ligastruktur.

Vergleich der Epochen: Beckenbauer, Kompany und der heutige Rummel

Maier sieht deutliche Unterschiede zwischen der Erfolgsära der 70er Jahre und dem heutigen Bayern-Unternehmen. Gleichwohl würden die modernen Bayern aus Maiers Sicht nicht eine solche Erfolgsära mit etwa jeweils drei Titeln im damaligen Europapokal der Landesmeister und in der Bundesliga begründen können wie die Münchner der 70er Jahre. „Es könne trotz der Qualitäten von Münchens derzeitigem Trainer Vincent Kompany nichts Ähnliches zusammenwachsen wie zu seiner eigenen Zeit im Starensemble um ‚Kaiser‘ Franz Beckenbauer“, meinte Maier.

Als Gründe nannte er die veränderten äußeren Umstände: „weil aufgrund der äußeren Umstände mehr Unruhe drin ist.“ Gemessen am heutigem „Rummel“ durch Spielerwechsel, Verhandlungen oder sportliche Probleme „haben wir es schon leichter gehabt“.