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Felix Nmecha hat bei den Partien gegen Curaçao und die Elfenbeinküste früh gezeigt, warum ihm beim DFB eine große Entwicklung zugetraut wird. Der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler fiel auf, erzielte den ersten deutschen Treffer bei dieser WM und liefert Argumente für einen Platz in der Weltspitze.

Ein Profil, das im DFB-Kader heraussticht
Es gibt Fußballer, bei denen der Eindruck entsteht, dass sie selbst noch nicht ganz erfassen, wie außergewöhnlich ihr Potenzial ist. Genau in diese Kategorie scheint Felix Nmecha zu fallen, sofern man Julian Nagelsmann Glauben schenkt. Der Bundestrainer bezeichnete ihn als „ein super Fußballer, der uns viel Freude bereiten wird“. Auch Kai Havertz betonte nach dem 7:1 gegen Curaçao, bei Nmecha gebe es „nichts, was er nicht mitbringt“. Joshua Kimmich legte nach und nannte ihn „einer der talentiertesten Spieler, die wir haben. Er hat eine extreme Physis, ist sehr schnell, sehr robust, technisch für seine Größe wirklich überragend.“
Diese Einschätzung überrascht Niko Kovac und Edin Terzic kaum. Der aktuelle und der frühere Dortmunder Chefcoach gelten seit Jahren als große Befürworter des 1,88 Meter großen Profis, dessen lange Schritte ihn rasch durchs Zentrum tragen und der zugleich über die Technik eines deutlich kleineren Dribblers verfügt. Nicht ohne Grund bekam er zuletzt den Spitznamen „der deutsche Paul Pogba“, weil sein Profil an den französischen Weltmeister von 2018 erinnert.
Statistken Felix Nmecha 2025/2026
Vom verletzungsanfälligen Talent zum BVB-Schlüsselspieler
Kovac machte 2023 bei Wolfsburg bereits die Erfahrung, dass Nmecha erst dann richtig aufblüht, wenn er körperlich stabil ist. Als der damalige VfL-Coach den Youngster nach dessen Wechsel aus der Nachwuchsabteilung von Manchester City zunächst fit gemacht hatte, wurde er zu einem seiner wichtigsten Spieler. Dass sein Potenzial dabei nicht verborgen blieb, zeigte sich schnell. Terzic und Borussia Dortmund griffen zu, sehr zum Ärger von Kovac. Sportdirektor Sebastian Kehl zahlte für den damals noch verletzungsanfälligen Profi 30 Millionen Euro an den VfL Wolfsburg.
Auch abseits des Rasens war das ein Wagnis. Nmecha, ein praktizierender Christ, sorgte zunächst mit fragwürdigen Likes im Internet für Negativschlagzeilen. Am Sonntag betete er nach dem Spiel gemeinsam mit Jonathan Tah und Spielern aus Curaçao im Mittelkreis. Heute gehört der höflich und zugewandt auftretende 25-Jährige zu den wertvollsten Spielern im BVB-Kader. Erst vor wenigen Monaten verlängerte Dortmund seinen Vertrag bis 2030 und sicherte sich zudem eine Ausstiegsklausel im hohen zweistelligen Millionenbereich. Für den Klub war das ein stiller Coup, weil sonst die Gefahr bestanden hätte, ihn schon in diesem Sommer für eine vergleichsweise niedrige Ablöse zu verlieren.
Warum Nagelsmann auf ihn baut
Kovac formuliert es heute so: „Es gibt einen BVB mit und einen BVB ohne Felix.“ In Dortmund wiedervereinten sich der Trainer und einer seiner Lieblingsspieler schließlich im Februar 2025. Nun könnte es auch bei der Nationalmannschaft bald heißen, dass es ein Deutschland mit und ein Deutschland ohne Nmecha gibt. Denn nachdem er sich rechtzeitig von einer schweren Knieverletzung erholt hatte, ist er als Partner von Aleksandar Pavlovic im defensiven Mittelfeld gesetzt und hat Leon Goretzka aus der Startelf verdrängt.
Gegen Curaçao unterstrich er das mit einem technisch starken Schlenzer zum 1:0, den er selbst mit einem Doppelpass mit Florian Wirtz einleitete. Später holte er auch den Strafstoß vor dem 3:1 heraus, als er mit enger Ballführung in den Strafraum zog, elegant an mehreren Gegenspielern vorbeikam und schließlich von Riechedly Bazoer nur noch per Foul gestoppt werden konnte. In beiden Szenen nutzte Nmecha die Freiheiten, die ihm Nagelsmann im Offensivspiel einräumt, sehr konsequent.
Die nächsten Prüfsteine warten noch
Die Verbindung zu Pavlovic ist dabei ein entscheidender Faktor. In Houston schwärmte sein Nebenmann, man könne mit Nmecha „geilen Fußball“ spielen. Dennoch stehen die eigentlichen Härtetests für das Duo erst bevor. Unklar ist noch, wie sich beide gegen Gegner mit deutlich mehr individueller Qualität im Angriff verhalten, ob sie den Raum hinter sich sauber kontrollieren, ob sie nach Ballverlusten schnell und entschlossen genug zurückarbeiten und ob sie ihre Stärken im Passspiel und im Abschluss dann genauso zuverlässig auf den Platz bringen wie gegen den Underdog aus der Karibik.
Antworten könnte schon das nächste Duell liefern, möglicherweise am Samstag in Toronto gegen die deutlich stärkere Mannschaft der Elfenbeinküste. Sollten auch dort die Leistungen stimmen, wäre Nmecha genau dort angekommen, wo er sich selbst wegen seines bescheidenen Wesens wohl nie verorten würde, wo ihn aber unter anderem TV-Experte Lothar Matthäus perspektivisch sieht, in der absoluten Weltspitze.