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Julian Nagelsmann hat den WM-Start gegen Curacao mit gemischten Gefühlen eingeordnet. Der Bundestrainer lobte den starken Beginn und die offensive Wucht seiner Mannschaft, sah aber auch Phasen mit Luft nach oben. Vor allem das 7:1 ließ für ihn den Schluss zu, dass in diesem Team noch mehr steckt.

Starker Auftakt, kurzer Bruch, dann Torfestival
Nach dem Auftaktspiel erklärte der 38-Jährige, seine Auswahl sei sehr gut in die Partie gekommen und hätte eigentlich noch höher führen können. Der Ausgleich nach dem ersten Gegentreffer habe die Mannschaft zunächst etwas aus dem Rhythmus gebracht. „Dann war es etwas statisch, ein bisschen ein Schock“, sagte Nagelsmann. Anschließend habe das Team aber wieder auf das Gaspedal gedrückt und „viele schöne Tore“ erzielt.
Die sieben Treffer seien ein deutliches Ausrufezeichen gewesen. „Sieben Tore musst du erst einmal schießen“, betonte der Bundestrainer. Zugleich verwies er darauf, dass nicht alles perfekt lief und sich aus dem Spiel reichlich Material für eine genaue Analyse ableiten lasse. Genau diese Punkte würden die Mannschaft weiterbringen.
Trinkpause, Neuer und Musiala im Fokus
Auch die Trinkpause in der ersten Halbzeit spielte aus Nagelsmanns Sicht eine wichtige Rolle. Sie habe geholfen, die bereits vorgenommenen Anpassungen an der Tafel sichtbar zu machen. Gleichzeitig habe man der Mannschaft Mut zugesprochen, den eingeschlagenen Weg der ersten 20 Minuten weiterzugehen.
Manuel Neuer erlebte sein Comeback und hinterließ bei Nagelsmann einen stabilen Eindruck. Das Gegentor sei für den Keeper nur schwer zu verhindern gewesen, weil der Schuss noch abgefälscht worden sei. Bei zwei tiefen Bällen habe Neuer Präsenz gezeigt und insgesamt eine „extreme Ruhe“ ausgestrahlt.
Auch Jamal Musiala rückte nach seiner Auswechslung in den Mittelpunkt. Beschwert habe sich der Offensivspieler zwar, aber nur „freundlich und liebevoll“. Nagelsmann hob hervor, dass Musiala sehr gut gespielt und viele starke Szenen gehabt habe. Der Wechsel sei erfolgt, um anderen Akteuren Minuten zu geben. Spieler müssten für ihren Einsatz und ihren Beitrag für die Gruppe belohnt werden.
Geist, Breite und Blick nach vorn
Felix Nmecha erhielt ebenfalls Lob vom Bundestrainer. Für Nagelsmann habe der Mittelfeldspieler ein sehr gutes Spiel gemacht und sich als „super Fußballer“ empfohlen, der der Nationalmannschaft noch viel Freude bereiten werde.
Besonders wichtig war dem Coach die Breite im Kader. Dass sich viele verschiedene Spieler in die Torschützenliste eintrugen, wertete er als Beleg für die Unberechenbarkeit und das sehr gute Miteinander innerhalb des Teams. Auch die Ersatzspieler würden die Partie von außen extrem pushen. Dieser Geist sei der Schlüssel, und daran dürfe die Mannschaft keinen Deut nachlassen.
Der Sieg könne aus Nagelsmanns Sicht vor allem Überzeugung und Vertrauen im Inneren der Mannschaft weiter stärken. Diese Entwicklung sei bereits sichtbar. Größere Zuversicht als vor dem Spiel soll nun helfen, den Fans in Deutschland viele Emotionen zu liefern. Mit Geduld, Speed und Intensität sei ein gutes Turnier möglich.
In der kommenden Woche steht Nagelsmann vor einem besonderen Datum. Dann ist er 1000 Tage im Amt. Für ihn gehe es dabei jedoch nicht um persönliche Ziele, sondern um die gemeinsamen Vorhaben des Teams. Man sei auf einem guten Weg, müsse gegen stärkere Gegner in bestimmten Phasen aber noch besser werden. Über den Meilenstein freue er sich dennoch.
Eine Sonderbelohnung für die Spieler gibt es nach dem erfolgreichen Auftakt nicht. Am Montag stehen Spielersatztraining und Regeneration auf dem Plan, am zweiten Tag nach der Partie ist frei.
Trotz der komfortablen Ausgangslage durch den neuen Modus will Nagelsmann keine Nachlässigkeit aufkommen lassen. Über das fast sichere Weiterkommen denke man nicht so intensiv nach. Die nächsten beiden Gegner seien richtig gut, mit viel Speed und Körperlichkeit. Die Partien sollen vielmehr genutzt werden, um sich weiter einzuspielen. Von Füße hochlegen oder einem lockeren Umgang mit den kommenden Aufgaben will der Bundestrainer nichts wissen.
Aufgezeichnet in Houston von Oliver Mucha (SID)