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Bundestrainer Joachim Löw im Interview

Interview mit Jogi Löw über Länderspiele, die WM 2018, den Confed Cup und Mario Götze

Veröffentlicht: Donnerstag, 23. Februar 2017 um 11:24 Uhr

Bundestrainer Löw ist locker wie eh und je, als er das Kicker-Interview führt. Mehr als 90 Minuten dauert es, so lange wie ein echtes Fußballspiel. Wir wollen die wichtigsten Aussagen unseres Bundestrainers aufgreifen und zusammenfassen. Klar ist, dass er mit der Nationalmannschaft wieder Weltmeister werden will. Und selbst die Europameisterschaft habe er noch nicht gewonnen, so Löw. Spannende Ausblicke auf die kommenden Jahre und den Stand des Deutschen Fußballs gibt es im Folgenden zu lesen. Wir fassen das neueste Interview des Bundestrainers zusammen.

Joachim Löw, Weltmeister-Trainer verlängert seinen Vertrag bis ins Jahr 2020 / AFP PHOTO / DANIEL ROLAND

Joachim Löw, Weltmeister-Trainer verlängert seinen Vertrag bis ins Jahr 2020 / AFP PHOTO / DANIEL ROLAND

Im März gibt es die nächsten Länderspiele

Auch wenn in der Zeit von November bis März lediglich vier Länderspiele angepfiffen werden, stehe er in regen Kontakt mit den Nationalspielern. Man schaue sich viele Spieler im In- und Ausland an, die den Sprung in die Mannschaft schaffen könnten. Dabei geht es auch um die Trends, wohin sich der Fußball entwickele, man habe sich den Afrika Cup angeschaut. Der Blick über den Tellerrand der Bundesliga wäre ganz wichtig. 2017 stehe nun die WM-Qualifikation im Mittelpunkt, ebenso der Confed Cup und die U21 Europameisterschaft.

Die Spieler für die WM 2018

Das Grundgerüst für die WM 2018 stehe, so Löw. Diese Spieler, die auch bei der WM 2010 und WM 2014 das Spiel bestimmten, seien auch noch 2018 tonangebend. Der nächste Schritt bestehe darin, neue Spieler ins Gefüge zu integrieren. Namen nennt Löw nur ungern, doch „die Türe ist nicht zu“. Momentan denke er an den Schalker Leon Goretzka („gute Technik, Schnelligkeit und Spielintelligenz“), Niklas Süle, Jonathan Tah, Benjamin Hinrichs oder Serge Gnabry.

Zum Confed Cup werde man nicht alle Stammspieler mitnehmen, man freue sich aber neue Spieler kennen zu lernen. Bei der U21 können einige Spieler Turniererfahrung sammeln. Wer dann nicht zum Cofned Cup mitfahren werde, das stehe noch nicht fest. Für die Jungen wäre die U21 EM sehr wichtig.

Der Confed Cup – überflüssig oder doch nicht?

Aus Vereinssicht bejaht der Bundestrainer diese Frage. Von 2016 bis 2018 wäre jedes Jahr ein Turnier im Sommer, das beansprucht viele Spieler emotional und körperlich. Der Confed Cup wäre eine Generalprobe auf die WM 2018, doch erstaunlicherweise zeigt sich ein Muster: Die Nationen, die dort weit kamen, waren dann bei der kommenden WM nicht erfolgreich. 2014 hätten Brasilien, Italien und Spanien enttäuscht – als Mannschaft könne man sich beim Confed Cup nicht auf die WM vorbereiten, so Löw.

„Den Confed-Cup als Mannschaft zur Vorbereitung auf eine WM zu nutzen, geht so nicht.“

Man werde aber zum Confed Cup eine gute Mannschaft präsentieren. Löw geht damit der Frage aus dem Weg, dass man von Russland und der FIFA bedgrängt wird, eine möglichst namhafte Mannschaft zu senden.

Turniere mit Jogi Löw als Bundestrainer

TurnierJahrLetzte Runde
WM 2018?
Confed Cup2017?
EM2016Aus im Halbfinale
WM 2014Weltmeister 2014
EM2012Aus im Halbfinale
WM 2010Dritter
EM2008Niederlage im Finale

Thomas Müller – Ladehemmungen?

Nein, Müller bräuchte im Sommer keine Pause. Zumindest körperlich nicht, Er sei nie schwer verletzt und sei in guter Verfassung. Es sei nichts außergewöhnliches, dass er seit 2010 nun das erste Mal eine schwierige Phase durchläuft. In der Champions League habe er wieder ein Tor erzielt. Er habe einen eingebauten Torinstinkt, das sei wichtig.

Kroos und Müller nach dem EM-Aus gegen Frankreich. / AFP PHOTO / FRANCK FIFE

Der aktuelle Stand der Nationalspieler

Zur derzeitigen Verfassung der Nationalspieler äußerst der Bundestrainer sich geteilt. Mit einigen sei er zufrieden, andere seien gesundheit angeschlagen. Gündogan und Boateng seien verletzt, bei anderen Spieler sehe er Formschwankungen und Verbesserungspotential. Auf Mario Götze angesprochen, so halte der Bundestrainer an ihm fest. Er habe eine schwere Zeit in Dortmund, man wisse aber von ihm, wie professionell er arbeite. In der Nationalmannschaft zähle, dass Mario immer gute Leistungen zeige. Er sei ein Abschließer, könne gegen die großen Teams immer treffen. Das kann nicht jeder. Man werde ihn unterstützen, die Leichtigkeit und Lockerheit zurück zu gewinnen, der er am Anfang in Dortmund einmal hatte.

Julian Draxler dagegen habe mit seinem neuen Club Paris St.Germain den richtigen Schritt gemacht. Er spielt nun mit Weltstars wie di Maria, Cavani, Motta oder Silver, er könne von diesen Spielern extrem viel lernen. Den Aufwärtstrend müsse er nun über eine längere Zeit zeigen. Er sei ein fester Bestandteil und Teil der nächsten Generation, die den deutschen Fußball bestimmen würde.

Das sind die Leistungsträger der nächsten Jahre

Zu den Leistungsträgern werden weiterhin Neuer, Boateng, Hummels, Kroos, Khedira, Müller und Özil gehören. Auch bei diesen Spielern sei die Leistungsgrenze nicht erreicht. Götze und Draxler können einen Sprung nach oben machen. Ebenso nenne er junge Spieler wie Kimmich oder Hector, die in die Mannschaft hineingewachsen sind.

„Ich glaube, die jetzigen Leistungsträger werden die Mannschaft noch zwei, drei Jahre prägen: Neuer, Boateng, Hummels, Kroos, Khedira, Müller und Özil, vielleicht Gündogan.“

Weltklasse sei gesucht

Die Benchmark seien Ronaldi und Messi. Diese seien Weltklasse. Deutschland benötige solche Spieler, um wieder Weltmeister zu werden. Die Frage ist, wer von den Talenten diese Weltklasse erreichen könne. Man brauche die Neuers, Özils, Hummels und Kroos. Der Bundestrainer sehe immer wieder Talente, die dann aber bei Länderspielen oder bei Turniere nicht in der Lage waren, der Mannschaft entscheidend zu helfen. Timo Werner sei ein neuer Kandidat.

Julian Draxler (Mitte) feiert sein 1:0 gegen Nordirland. Thomas Müller (Nummer 13) und Mesut Özil (nun mit Rückennummer 10 statt 8 unterwegs) gratulieren ihm. / AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ

Der Blick nach Spanien

Der Bundestrainer schaue viel nach Spanien und erwähnt die U 10 Mannschaft des FC Barcelona. Was er da gesehen habe, sei sehr gut. Mannschaftstaktisch als auch individuell eine große Klasse mit vielen kleinen Inestas. Deshalb benötige der DFB auch seine neue Akademie in Frankfurt.

WM mit 48 Teilnehmern, Nations Cup ab 2018

Die Fifa hat eine WM 2026 mit 48 Mannschaften entschieden. Die Attraktivität mit einer 16er EM und einer 32er WM sei gut. So habe man bei der EM 2012 schon in der Vorrunde gegen starke Gegner spielen müssen, das waren spannende Spiele, dies wolle der Fußballfan sehen, so der Bundestrainer. Bei der EM 2016 sah man an Portugal, dass drei Unentschieden zum Weiterkommen reichen würden, das war bei der EM 2012 nicht so. Das verändere die Mentalität und damit den Fußball.

Änderung der Länderspieltermine?

Kar-Heinz Rummenigge schlägt vor, nur noch zwei Länderspiel-Phasen pro Jahr einzuführen: Es soll jeweils vier Länderspiele im März und Oktober geben – Löw sei offen für solche Ideen. Als Bundestrainer sei er froh, wenn er sein Team einmal vier Wochen am Stück zusammen hätte. Löw hätte sein Team gerne öfters zusammen, doch der Istzustand wäre auch in Ordnung für ihn. Mehr Länderspiele würde es nicht geben.

„Wir möchten 2018 den Titel gewinnen: So lautet das klare Ziel.“

Man starte wieder bei Null in 2018. Es stehe ein neues Turnier an, man sei wieder hungrig und es würde nicht darum gehen, einen Besitzstand zu wahren. Weltmeister 2014 sei man für immer.

Die Länderspielbilanz von Jogi Löw

Spiele gesamtSiegeUnentschiedenNiederlagen
137902423

Problem: Das Angriffszentrum?

Nein, man habe kein Problem. Man habe die Spieler wie Müller, Reus, Götze, Schürrle, Özil und Draxler – dies seien Torabschließer! Für einen Mittelstürmer, wie man sich ihn herkömmlich vorstellt, sei das keine Aufgabe mehr. Man müsse auf mehreren Positionen spielen können. Löw gibt aber zu, dass man bei der EM 2016 ein Problem gehabt habe, die Chancenverwertung war nicht gut.

Mesut Oezil (L) und Mario Gomez feiern das Tor beim EM-2016 Viertelfinale gegen Italien. / AFP PHOTO / Mehdi FEDOUACH

Mario Gomez ist weiterhin ein Spieler, der Tore machen könne, in den Planungen spiele er eine Rolle. Allzu optimistisch klingt das allerdings nicht, denn nach dem Confed Cup gäbe es viele Möglichkeiten zu testen. Sandro Wagner wäre eine Alternative, „er bringt Unordnung in eine Ordnung“.

Abschließend sagt Bundestrainer Joachim Löw zur Frage, ob die EM 2020 ein Ziel wäre, wenn er auch die WM 2018 gewinnen würde:

„Eine Europameisterschaft möchte ich auch noch gewinnen.“