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Vor der Bundesliga-Partie gegen Eintracht Frankfurt nutzte Vincent Kompany die Pressekonferenz des FC Bayern an der Säbener Straße, um deutlich Stellung zu beziehen. Der belgische Trainer verurteilte den Rassismus-Vorfall aus der Champions-League-Partie Benfica – Real und stärkte Vinícius Jr. den Rücken. Kompany kritisierte besonders die Reaktionen nach dem Spiel, namentlich die Aussagen von José Mourinho, und forderte einen anderen Umgang mit Diskriminierung im Fußball. Sein Appell richtete sich auf Führung, Solidarität und das gemeinsame Voranschreiten gegen Rassismus.

Kompany kritisiert Mourinhos Reaktion
Fast zwölf Minuten sprach Kompany bei der Pressekonferenz über das Thema, das die Champions League in dieser Woche erschütterte. Er betonte, dass er die Szene live gesehen habe und die Reaktion von Vinícius Jr. nicht „gefaked“ sein könne: „Seine Reaktion ist emotional.“ Für Kompany gäbe es keinen Grund für Vinícius, zum Schiedsrichter zu gehen und sich unnötig dieser Belastung auszusetzen.
Schärfer fiel die Kritik an José Mourinho aus: Kompany warf dem Portugiesen vor, den Charakter von Vinícius Jr. angegriffen zu haben, als er dessen Torjubel thematisierte. „In Bezug auf Führung ist das für mich ein großer Fehler. Und das ist etwas, das wir nicht akzeptieren sollten“, sagte der Bayern-Coach und machte deutlich, dass solche Aussagen Verantwortung und Vorbildfunktion untergraben.
Appell: „Nach vorn schauen und wachsen“
Kompany zeigte Verständnis dafür, dass Mourinho sein Team und den Club verteidigen wolle, stellte aber klar, dass die öffentliche Reaktion ein Fehler gewesen sei. Er forderte, dass so etwas in Zukunft nicht wieder passieren dürfe, damit man „nach vorn schauen und wachsen“ könne. Gleichzeitig rief er dazu auf, den Fokus auf gemeinsame Lösungen zu legen statt auf spaltende Debatten.
Der Belgier hob Führung, Solidarität und Verantwortung als zentrale Werte hervor und verlangte, dass Vereine, Trainer und Spieler aktiv gegen Diskriminierung Stellung beziehen. Sein Appell betraf nicht nur die unmittelbare Szene in Lissabon, sondern die generelle Haltung in Stadion, Klub und Medien gegenüber Rassismus.
Eusébio-Erwähnung und persönlicher Bezug
Kompany reagierte auch auf Mourinhos Argument, Benfica könne nicht rassistisch sein, weil Eusébio der beste Spieler der Vereinsgeschichte sei. Er bezweifelte, dass die Erwähnung von Eusébio per se das Ausmaß von Rassismus in der Vergangenheit erkläre: „Aber weiß er, was schwarze Spieler in den 60er Jahren durchmachen mussten? War er da, um mit Eusébio zu jedem Auswärtsspiel zu reisen?“
Der Bayern-Trainer machte seinen persönlichen Bezug deutlich: Sein Vater sei in den 1960ern als schwarze Person seinen Weg gegangen und habe oft schweigen müssen, um Anerkennung zu erreichen. Heute könnten Spieler wie Vinícius Jr. anders reagieren und hätten eine Stimme. Kompany verwies zugleich auf Spieler in Ligen wie Ungarn, Bulgarien und Serbien, die oft keine Unterstützung erhielten, wenn sie diskriminiert würden.
Quelle: bundesliga.com